Serie Bild 30: Quebec in Oberbayern!

Das Bild entstand gestern Morgen im bayerischen Alpenvorland. Eigentlich fotografiere ich im Alpenvorland nie Richtung Norden sondern immer Richtung Süden, Richtung Berge. Die Alpen im Hintergrund sind einfach immer ein lohnenswertes Motiv. Anders jedoch gestern in der Früh. Ich stand am Ufer eines kleinen Sees und fotografierte, wie immer, Richtung Berge. Das Licht war jedoch wegen ein paar Schleierwolken im Osten sehr gedämpft. Plötzlich bemerkte ich ein paar Kanadagänse, die direkt auf mich zuschwammen. Eigentlich sind Kanadagänse recht scheue Gesellen, dies traf auf dieses Pärchen jedoch überhaupt nicht zu. Das Bild entstand aus ca 3 Metern Entfernung mit einem 16-35mm Objektiv. In solchen Momenten muss man schnell reagieren und sich auch schnell darüber klar werden, was man will. Ich hatte zwei Optionen: Zum einen bestand die Möglichkeit, weiter abzublenden und damit die Verschlusszeit zu verlängern. Damit hätte ich die maximale Tiefenschärfe (für die Landschaft), liefe aber Gefahr, dass die Kanadagänse aufgrund deren Bewegung unscharf werden (was auch seinen Reiz hätte…Stichwort Dynamik im Bild, Gänse in Bewegung). Zum anderen hatte ich die Möglichkeit die Blende ein Stück zu öffnen und die ISO Zahl ein wenig weiter nach oben zu fahren, damit ich die Verschlusszeit so verkürzen kann, dass die Gänse trotz Bewegung noch einigermaßen scharf werden. Oben im Bild zeige ich die zweite Option: Die Gänse sind einigermaßen scharf, die ISO Zahl wurde von 100 auf 800 erhöht, die Blende von 16 auf 8 geöffnet. Zum Glück blieben die beiden Kanadagänse eine Weile vor Ort und so konnte ich sogar noch ein paar Bilder mit längerer Verschlusszeit machen.

Mich erinnert das Bild an Kanada: an die wilden Seen in Quebec oder Ontario. Die Tiere passen auch dazu!!! Das bayerische Alpenvorland ist einfach alles: Finnland, Norwegen, Kanada, Alaska….man muss nur wissen wo. Ich werde weiter unterwegs sein und es euch zeigen. Es ist ein Traum!!!

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 29: Zwei Jahreszeiten!

Das Bild entstand gestern Morgen in den Bayerischen Alpen. Während am Tag zuvor noch eitel Sonnenschein mit Temperaturen von + 25 Grad herrschten, sanken diese nur einen Tag später auf – 1 Grad ab. Der Wetterwechsel wurde begleitet von heftigen Gewittern…! Über Nacht hat sich eine dünne Schneeschicht auf die Berge und Berghänge gelegt.

Ich mag diese Art von „reduzierten“ Bildern sehr gerne. Man muss nicht alles mit Horizont zeigen. Das schöne ist, man sieht beide Jahreszeiten in einem Bild. Entstanden ist das Bild mit einem 400mm Objektiv und einer 50 MP Kamera. Eigentlich hätte ich für den perfekten Bildausschnitt ein 600 mm Objektiv gebraucht, hatte ich aber nicht, also croppte ich ein wenig ins Bild…und da zahlen sich 50 MP halt doch aus….übrig sind oben noch knapp 36 MP…reicht  für jede Plakatwand!

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 28: Die wahren Könige der Arktis!

Das Bild der Rentiere entstand im Jahr 2012 in schwedisch Lappland. Ich liebe Rentiere (in Nordamerika Karibus). Sie sind wahnsinnig zache, ausdauernde Tiere. Sie ertragen im Winter Temperaturen von bis zu – 50 Grad und im Sommer Millionen blutsaugende Moskitos. Sie wandern jedes Jahr tausende Kilometer. Die Wintermonate verbringen sie in den geschützen Waldgebieten des Nordens, im Sommer wandern sie an die Küste, um dort z.B ihre Jungen auf die Welt zu bringen. Viele Ureinwohner des hohen Nordens sind fast vollständig abhängig von dieses Tieren. Sie spenden Ihnen Nahrung und Kleidung. Inuit, Sami, Nenzen, Dolganen u.v.a. indigene Gruppen des Norden verehren die Tiere als Quelle des Lebens. Während in Europa und Sibirien die Rentiere teilweise domestiziert wurden und sie „nur“ noch halbwild durch die Taiga und Tundra streifen, sind die Karibu Nordamerikas zu 100 % wild geblieben, eine Domestizierung hat dort nie statt gefunden.

Ich mag das Bild oben sehr gerne, weil die vier Rentiere so wunderbar in einer Reihe laufen (immer in einer Spur, um Kraft zu sparen). Zum anderen liebe ich die weiße Umrahmung der Tiere. Wer schon einmal im Winter im hohen Norden war, der wird es schon mal erlebt haben. Die weiße Landschaft ist manchmal so hell (grell), dass keine Konturen mehr im Schnee zu erkennen sind.

Rentiere und Karibus sind stark vom Klimawandel betroffen. Die Bestände sind stark rückläufig. Vor allem die immer wärmer werdenden Winter machen den Tieren zu schaffen. Oft verhindert eine dicke Eissicht (nach einer Tauphase), dass die Tiere zu den für sie so wichtigen Gräser und Flechten durchdringen. Die Tiere verhungern. Auch machen Ihnen die Ölbohrungen in der Arktis immer mehr zu schaffen. Alte Wanderrouten werden von oberirdisch angelegten Ölleitungen zerschnitten, die wichtigen Sommerweideplätze von großen Ölfeldern zerstört. Schlechte Zeiten für eine Ikone des Nordens. Handlungsoption: Klimawandel bekämpfen, weniger Energie verbrauchen, ÖL MEIDEN.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 27: Oberland oder Yukon?

Das Bild entstand gestern Morgen an einem kleinem See im bayerischen Alpenvorland. Wenn bei uns alles passt, können wir sicherlich ähnlich tolle Motive fotografieren wie in Alaska, Kanada oder Norwegen. Unsere Landschaft vor der Haustür ist genauso spektakulär, wie viele andere wilde Regionen der Erde…man muss sie nur richtig in Sezene setzen. Ich schüttle immer (zumindest innerlich) den Kopf, wenn meine Kollegen mir erzählen, sie würden niemals zu Hause auf Fotopirsch gehen….da gäbe es doch nichts. Das mag für die Regionen nördlich der Donau vielleicht stimmen (hihi), in den Bayerischen Alpen jedoch finde ich jeden Tag neue, spektakuläre Motive. Ich bin auch gerne auf Reisen, 90 % meiner Bildmotive finde ich jedoch vor meiner Haustüre….und 99 % meiner besten Bilder entstanden zu Hause.

In Zeiten des Klimawandels sollten wir alle viel mehr zu Hause bleiben….auch wenn es manchmal schwer fällt (es ist einfach toll, mal was anderes zu sehen, andere Kulturen, andere Naturlandschaften zu erleben). Ich bin auch noch am tüfteln, wie ich in Zukunft auf Reisen gehen kann und gleichzeitig das Klima schone….Wahrscheinlich ist beides fast nicht möglich. Zumindest möchte ich von meinem wahnsinnig hohen CO2 Verbrauch der letzten Jahrzehnte herunterkommen….evtl. ist das längere Reisen eine Möglichkeit. Einfach mal 6 Monate nach Skandinavien fahren….und nicht vier mal im Jahr dort hinauf fliegen. Und wenn es nicht klappt, scheiß drauf, dann verbringe ich mein restliches Leben in den Alpen, bevorzugt in den Bayerischen…alleine schon wegen der Brezn…aber des is a andere Gschicht.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 26: Leben und Tod!

Das Bild entstand im Jahr 2013 auf den abgelegenen Pribilof Inseln in Alaska. Ich arbeitete damals an einem Bildband über dieses wahnsinns Land. Die Pribilof Inseln spukten schon jahrelang in meinem Kopf herum…und nun ergriff ich meine Chance. Ausgestattet mit einem üppigen Buchvorschuß von meinem damaligen Verlag National Geographic (der Verlag National Geographic saß damals noch in Hamburg und war wirklich National Geographic, heute gehört der Buchverlag National Geographic zu GeraNova Bruckmann und ist nicht mehr wirklich National Geographic….aber das nur nebenbei…. heute gehört auch die Deutsche Ausgabe des National Geographic Hefts zu GeraNova Bruckmann….deswegen weiß man heute überhaupt nicht mehr, was nun echt oder unecht ist…hihi). Wurscht…ich hatte auf jeden Fall an Haufen Kohle zur Verfügung und buchte desshalb einen Flug auf die Pribilofs. Die Inselgruppe liegt vier Flugstunden von Anchorage entfernt mitten in der Beringstraße. Das Klima ist feucht, um es mal milde auszudrücken. An 300 Tagen im Jahr herrscht Nebel. Viele Flüge müssen abgesagt werden. Ich kam zum Glück an.

Ich wollte dort in ersten Linie Küstenvögel wie z.B Puffins, Lummen und verschiedenste Alkvögel fotografieren. Alles lief super…irgendwann konnte ich aber keine Vögel mehr sehen. Mein Guide machte mir dann den Vorschlag, auf die Suche nach Polarfüchsen zu gehen. Auf den Pribilof Inseln (insgesamt gibt es fünf) leben ein paar Familien dieser unglaublichen Füchse. Natürlich wollte ich. Polarfüchse sind eine meiner absoluten Lieblinge im hohen Norden. Wir mussten nicht lange Sunchen. Schon nach ein paar Minuten sahen wir einen Fuchs am Strand entlang laufen. Bei den Polarfüchsen auf den Pribilof Inseln handelt es sich um die sogenannten Blaufüchse. Blaufüchse sind einfach eine besondere Farbvariante des Polarfuches. Sie sind im Sommer ein wenig dunkler und behalten ihr dunkles Fell auch im Winter (es wird nur ein wenig heller). Weißfüchse dagegen werden im Winter schneeweiß.

Also….dieser wunderbare Blaufuchs lief am Strand entlang. Plötzlich blieb er stehen. Direkt vor einem riesigen nördlichen Seebären (eine spezielle wunderschöne Robbenart). Ich dachte mir „ja was macht er denn jetzt“….er steuerte  schnurstracks auf den Seebären zu….da gibt`s doch nicht….dann erkannte ich, dass der Seebär tot war. Anscheinend waren die Füchse schon öfter an dem Kadavar, denn am Rücken klaffte schon eine riesengroße, offene Wunde. Der Fuchs stieg mit seinen beiden Vorderpfoten auf den toten Seebären und begann zu fressen. Dann bemerkte er uns, hob seinen Kopf und schaute mir direkt in meine Kamera….und dann schleckte er auch noch mit seiner Zunge über sein Maul und seine Nase. Wahnsinn. Ich konnte mein Glück kaum fassen….was für ein Augenblick. Der Fuchs störte sich überhaupt nicht an uns. Er senkte seinen Kopf wieder und begann weiter zu fressen. Unglaublich. Ich verbrachte dann noch weitere zwei volle Tage an einem Fuchsbau….das aber ist Stoff für eine weitere Geschichte.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 25: Islands Norden!

Das Bild entstand im Juli 2010 im Norden Islands genauer gesagt in der Region Myvatn. Wie schon oft erwähnt, habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu Island. Einerseits ist die Insel im Nordatlantik ein wahres Eldorado für Landschaftsfotografen, andererseits tummeln sich hier seit Jahren so viele Touristen (und Fotografen), dass der wilde Charakter Islands immer mehr verloren geht. Interessant ist, dass alle Fotografen immer genau die selben Bilder machen, reisen alle zu genau den selben Hotspots. Jeder will ein Bild vom Jökulsarlon, jeder ein Bild vom schwarzen Strand bei Vik…wie langweilig. Ich kann nur empfehlen: fahrt nach Island und macht genau das Gegenteil, fahrt in die Regionen, die noch nicht fotografisch ausgeschlachtet sind….sonst werdet ihr beliebig.

Also ich im Juli dort oben unterwegs war, verliebte ich mich sogleich in diese wilde Region im Norden der Insel. Es waren nur wenige Touris unterwegs und noch weniger andere Fotografen. Die Landschaft ist nicht so spektakulär wie die Hotspots im Süden, dafür aber so richtig schön wild. Das Bild entstand gegen 0 Uhr 30 Morgens/Abends (?). Ich schlief im Auto irgendwo in der „Prärie“. Als ich ins „Bett“ ging schüttete es aus Kübeln. An Fotografie war nicht zu denken. Gegen 0 Uhr 15 wachte ich auf. Ein Sonnenstrahl traff direkt mein Gesicht. Ich war sofort hellwach. Sprang aus meinem Auto und baute mein Stativ auf. Ich wähle meinen Übernachtungsplatz immer (soweit es geht) an einem fotogenen Platz, damit ich schnell reagieren kann. Hier war mein Fotomotiv nur knapp fünf Meter von mir entfernt: Ein Feld unglaublich leuchtender Lupinen. Die Blumen strahlten im schönsten Licht der Mitternachtssonne….plötzlich begann es wieder zu regnen. Ich war schon kurz davor einzupacken, dann spannte sich plötzlich ein intensiver Regenbogen über den Himmel. Es war fast unwirklich, so intensiv leuchteten die Farben, so intensiv war das Licht. Sowas gibt es halt nur im Norden (und in den Bayerischen Alpen). Und das ist genau der Grund, warum ich immer in den Norden zurückkehren werden….weil es nirgendwo anders (außer in den Bayerischen Alpen) so ein unglaubliches, intensives, durchdringendes Licht gibt.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 24: Lebensfreude!

Das Bild entstand im September 2007 auf Vancouver Island in British Columbia. Für mein Buch über die „Inside Passage“ verbrachte ich vier Wochen auf dieser wunderbaren Insel an der kanadischen Westküste. Ich wollte unbedingt Schwertwale fotografieren und die Johnstone Strait, eine Wasserstraße, die das Festland von Vancouver Island trennt, zählt zu den besten Plätzen in Kanada, um diese Zahnwale vor die Linse zu bekommen.

Ich fuhr also in den Norden der Insel nach Port McNeill. Ich kam dort an und wußte nicht so richtig, wie ich vorgehen sollte. Da sah ich ein Schild „Mackay whale watching“. Hm dachte ich mir….eigentlich bin ich kein großer Fan touristischer Tierbeobachtungsfahrten….da bekommt man nie was. Trotz meiner Bedenken buchte ich für den folgenden Tag eine Tour (ich war halt planlos)…für 100 kanadische Dollar. Die Mackays (Vater und Sohn) waren die ersten Anbieter von Whale watching Touren im Norden Vancouver Islands….und ihre Erfahrung sollte sich bald auszahlen. Was mir besonders zugute kam: SohnemannMackay war ebenfalls ein begeisterter Fotograf. Er wußte genau, welche Bilder ich wollte, er dachte genau wie ich dachte. Wir fuhren also los. Die beiden Mackays, drei weitere Touris und ich. Die Tour war toll, wir sahen Robben, Steller Sea Lions, Adler, ein paar Buckelwale, Delfine und auch eine Gruppe Schwertwale. Ich machte ein paar Bilder….nichts Besonderes aber okay. Am Abend fragte ich die Mackays, ob ich am nächsten Tage nochmal mitfahren dürfte….klar durfte ich. Auch die zweite Tour war fantastisch. Meine Begeisterung wuchs und wuchs und ich wollte natürlich am übernächsten Tag wieder mit. Nach der fünften Tour in Folge musste ich nicht mehr bezahlen. Die Mackays nahmen mich einfach so mit….sie fanden es so toll, dass ich das alles so toll fand, so dass ich kurzer Hand zum Schiffsinventar erklärt wurde. Während der achten Tour passierte es. Wir näherten uns einer kleinen Gruppe von Schwertwalen. Vater Mackay steuerte ganz vorsichtig, ganz langsam auf eine Gruppe von Orcas zu. Dann schalltete er den Motor ab. Alle mussten ganz ruhig sein. Plötzlich schwamm die gesamte Gruppe direkt auf uns zu und dann….sprang eines der Tiere aus dem Wasser….es war unglaublich. Ich weiß bis heute nicht, wie ich das Bild hinbekommen habe….ich glaube, ich habe versehentlich einfach abgedrückt, wie ein Reflex. Die ganze Szenerie kommt ja aus dem Nichts…. man ist nicht vorbereitet, man bekommt keine Vorwarnung. Alles dauerte nur wenige Sekunden. Was für ein Erlebnis. Zu verdanken hatte ich das Ganze den Mackays, die genau wußten, wie man mit den Schwertwalen umgeht…niemals verfolgen, ruhig sein, die Tiere kommen lassen.

Ich fuhr 2007 insgesamt zehn mal mit den Mackays hinaus….und weitere zehn mal ein Jahr später…einfach weil es so sauguat war. Ich hoffe, in den nächsten Jahren wieder zurückkehren zu dürfen. Ich will wieder raus, den Duft des Meeres in der Nase haben. Ich will wieder Delfine beobachten, wie sie in großen Schwärmen an unserem Boot vorbei ziehen, ich will Buckelwale fotografieren und…wer weiß, vielleicht kommt ja wieder so eine Gruppe Orcas zu unserem Boot und dann…verpasse ich den Sprung, weil ich mich nicht entscheiden kann, ob ich filmen oder fotografieren soll….die Zeiten ändern sich…!

Das Leben ist schön!

Bleibts´s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 23: Auf Jagd!

Das Bild entstand im Juli 2007 in Südostalaska. Die dominierende Landschaftsform Südotalaskas ist temperierter, gemäßigter Regenwald. Dieser kalte Regenwald bietet vielen Tieren einen ganz speziellen Lebensraum. Hier tummeln sich u.a. Adler, Buckelwale, Schwertwale, Elche, Füchse, Seeotter, Braun- und eben auch Schwarzbären. Ich liebe Schwarzbären. Sie sind die Gnome des Waldes. Schwarzbären sind in ganz Nordamerika verbreitet. Sie kommen mit den unterschiedlichsten Lebensräumen zurecht. Sie sind wahre Anpassungskünstler. Einen ganz speziellen Lebensraum bieten ihnen die Regenwälder Südostalaskas.

Ich war 2007 acht Wochen in Südostalaska unterwegs. Ich fotografierte damals an einem Buch über diese Gegend („Die Inside Passage“). Ich wollte unbedingt Schwarzbären beim Lachsfang zeigen. Es gibt Millionen Bilder von Braunbären beim Lachsfang, die Schwarzbären dagegen werden immer sträflich vernachlässigt. Also suchte ich mir einen kleinen, abgelegenen Fluss mitten im Regenwald. Der Fluss, eher ein Bach, war im Juli komplett voll mit Lachsen. Lachs ist die wichtigste Nahrungsquelle der Schwarzbären (übrigens auch fast aller anderen Tierarten hier – würde der Lachs ausbleiben, würde das gesamte Ökosystem der Regenwälder zusammenbrechen). Ich schlug mein „Quartier“ direkt am Fluss auf, um dort für eine Woche Schwarzbären zu fotografieren. Es war magisch. Der Duft der Regenwälder liegt mir heute noch in der Nase. Jeden Tag kamen bis zu zehn verschiedende Bären an den Fluss, um dort zu fischen. Ich stand oft bis zum Bauch im Wasser, um auf Augenhöhe die Bären fotografieren zu können. Niemals kam es zu einer brenzligen Begegnung…! Die Bären nahmen mich natürlich war, ich war Ihnen aber total egal. Sie wollten nur eines; Lachs. Beim obigen Bild stand ich in etwa 15 Metern Entferung im Wasser. Ich fotografierte mit einem 2,8/300mm aus der freien Hand. Der Bär stand mehrere Minuten fast regungslos im Fluss und starrte auf die vorüberziehenden Fische. Dann plötzlich tauchte er blitzschnell ins Wasser und riss einen Lachs in die Höhe. Ich hielt einfach drauf. Meine Kamera machte damals leider nur 4 Bilder in der Sekunde, zum Glück war ein Bild dabei, wo alles passte: Der Bär mit dem Lachs im Maul, eingerahmt von den Spritzern des aufgewirbelten Wassers. Wahnsinn. Was für tolle Tiere.

Die Regenwälder Sudostalaskas sind akut gefährdet. Zum einen trocknet ein immer wärmer werdendes Klima die Wälder aus (auf Vancouver Island in Britsh Columbai, Kanada, herrscht seit Jahren Dürre….und das in einem gemäßigten Regenwald), zum anderen stehen diese nordischen Urwälder vor der Abrodung. Die kriminelle Trumpregierung (eher eine mafiöse Vereinigung, gegründet, um sich auf Kosten der Welt zu bereichern) will große Teile der Urwälder zur Abholzung frei geben. Das wäre das Ende einer einmaligen Landschaft, mit einer einmaligen Tierwelt. Bitte liebes „Amerika“ wählt diesen Vollidioten im November ab….dem geschundenen Planeten würde es gut tun.

Das Leben ist (troz Trump) schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 22: Das Leben ist schön!!

Gestern Morgen war ich an einem wunderschönen See im Alpenvorland. Das Licht war gigantisch, die Zugspitze leuchtete rot und spiegelte sich perfekt im Wasser. Ich fotografierte so vor mich, zufrieden mit mir und der Welt. Plötzlich sah ich eine Graugans, die so ganz langsam am Ufer entlang schwamm, nichts ungewöhnliches…eigentlich. Ich beobachtete die Gans eine ganze Weile…dann schwamm sie vom Ufer weg hinaus auf den See…und ich traute meinen Augen kaum. In ihrem Schlepptau schwammen acht kleine Kücken. Ich dachte mir sofort…scheiße…was für ein Stress (der jetzt gleich beginnen wird). Ich rannte hinunter zum Ufer. Während des Rennens kramte ich im Rucksack nach meinem 100-400mm Objektiv, stellte die Kamera auf AF, machte den IS an, fuhr die ISO Zahl nach oben und stolperte zwanzig mal über meine Füße. Am Ufer angekommen warf ich mich auf den Boden und begann auf dem Bauch liegend zu fotografieren. Ich war so hektisch, dass ich beinahe ins Wasser fiel. Die Gänsemutter schwamm auf den See hinaus. Mist dachte ich mir, ich bin zu spät. Dann änderte sie plötzlich die Richtung und schwamm parallel zum Ufer…die ganze Familie in einer Schärfenebene…Wahnsinn….die Kamera rauchte. Ich machte sicherlich 200 Bilder in 2 Minuten.

Als ich alles im Kasten hatte, war ich fix und fertig. Ich setzte mich hin und beobachtete die Familie. Dann musste ich in mich hinein lachen und begann gedanklich mit mir selbst zu reden: „Jetzt fotografierst schon 30 Jahre Tiere, hast in der Arktis Eisbären fotografiert, in Alaska die größten Braunbären der Welt, hast in British Columbia Buckelwale beim bubble net feeding geknipst und den seltensten Bären der Welt vor die Linse bekommen…und dann bringt dich eine Gänsefamilie vollkommen um den Verstand“. In allen den Jahren scheint doch noch ein wenig Begeisterung übrig geblieben zu sein…und genau das ist es,…genau um das geht es. Dann, wenn mir so eine unglaubliche Gänsefamilie wurscht ist, wenn ich für sie nicht mehr den Hang hinunter purzle, dann ist es Zeit aufzuhören. Das aber wird noch ein wenig dauern….ich plane morgen zurückzukommen und den ganzen Vormittag Gänse zu fotografieren…ein Traum.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 21: In den Richardson Mountains!

Das Bild entstand im September 2009 in den Richardson Mountains in den kanadischen Northwest Territories. Die Richardson Mountains sind ein wilder Gebirgszug im hohen Norden Kanadas. Das Gebirge liegt schon weit nördlich des Polarkreises und zählt für mich zu den schönsten und ursprünglichsten Bergwelten des Nordens.

Ich beobachtete den Grizzly schon eine ganze Weile mit dem Fernglas. Es war ein wunderschöner, dunkelbrauner Bär. Irgendwann kam er im Zickzackkurs immer näher. Ich schnappte meine Kamera und wartete. Michio Hoshino, der legendäre Alaska Fotograf aus Japan, der 1996 tragisch durch einen Braunbären im Kamtschatka ums Leben kam, sagte einmal: „Lass die Tiere immer auf dich zukommen, überlaß ihnen immer selbst die Entscheidung, ob sie kommen wollen oder nicht“. Natürlich juckte mich es, dem Bären ein wenig entgegen zu gehen….man weiß ja nie, ob er es sich plötzlich anders überlegt und verschwindet….und ein paar Bilder will man natürlich schon bekommen. Ich zwang mich aber wirklich ruhig zu warten. Er kam näher….dann lief er mir genau ins Gegenlicht, die knallrote Tundra leuchtete so extrem, dass ich fast geblendet war. Ich fotografierte ein Bild nach dem anderen. Es war einfach fantastisch. Das Bild gehört zu meinen absoluten Lieblingen. Ich liebe es, Tiere in ihrem Lebensraum zu zeigen…Tiere in der Landschaft….das ist die Krönung der Tierfotografie.

Ich wartete und fotografierte und wartete und plötzlich stand der Bär etwa 10 Meter von mir entfernt. Ein Traum. Ich machte noch ein paar Bilder und zog mich langsam zurück. Dem Bären war ich vollkommen egal. Er registrierte mich kaum…von wegen also wilde, blutrünstige Bestie. Alle Bären, die ich bis jetzt „kennengelernt“ habe, waren wahnsinng scheue, zurückhaltende ja fast schon schüchterne Gesellen. Natürlich muss man vorsichtig sein, der Bär ist ein Raubtier. Wer im Bärengebiet wandert , der sollte immer ein wenig Lärm machen, denn einen Bären sollte man niemals überraschen. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon wieder auf meine nächste Bärenbegegnung. Sei es in Alaska, Kanada, Finnland oder den Ammergauer Alpen (man das wärs)….ich werde dann wieder warten und mich freuen, wenn er vor mir steht…das schönste Landraubtier der Welt.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!