Serie Bild 8: Zu Besuch bei der Eagle Lady

Das Bild der Weißkopfseeadler entstand im Februar 2007 am Homer Spit auf der Kenai Halbinsel in Alaska. Das Homer Spit ist eine kleine, schmale Landzunge, die 7 km in die Kachemake Bay reicht. Das Homer Spit war bis zum Januar 2009 das Eldorado für alle Weißkopfseeadler-Fotografen auf der ganzen Welt. Ich schätze mal, dass ca 80-90 % aller bis dahin veröffentlichten Bilder von Weißkopfseeadlern dort entstanden sind. Ich war das erste mal 1999 dort und war sofort begeistert. Bis zu 300 Adler sammelten sich jedes Jahr auf dieser winzigen Halbinsel. Der Grund war Jean Keene. Jean hatte es sich vor Jahrzehnten zur Lebensaufgabe gemacht, die Adler im harten Winter Alaskas zu füttern. Nur diese regelmäßige Fütterung lockte im Winter so viele Adler nach Homer. Jeden Morgen, bei jedem Wetter stand Jeane neben ihrem kleinem Motorhome, in ihrem liebevoll gepflegten Garten und fütterte die Tiere mit Fischresten aus der nahen Fischfabrik. Unglaublich. Jeder der wollte, konnte sie besuchen und in ihrem Garten die Adler fotografieren.

Manchmal sammelten sich am Strand 50-100 Tiere gleichzeitig und warteten auf ihr Frühstück. Für uns Fotografen ergaben sich dadurch natürlich unglaubliche Fotomöglichkeiten. Adler sitzend, kämpfend, fliegend, landend…..es war einfach nur gigantisch. Ich verbrachte viele Stunden dort, plauderte mit Jean, mit anderen Fotografen….paradiesische Zustände. Für mich sind Weißkopfseeadler die schönsten Vögel Alaskas. Wer schon Mal einem Adler in die Augen gesehen hat, der wird diesen Moment nie wieder vergessen. Ich konzentrierte mich damals in erster Linie auf Flugaufnahmen, da man hier formatfüllende Aufnahmen mit einem 70-200mm Objektiv bekam (und damals war das 70-200mm das einzige meiner Objektive mit einem Bildstabilisator). Die Arbeit aus der freien Hand, also ohne Stativ, war so wunderbar einfach, man war schneller und flexibler als mit den langen Brennweiten. Oft legte ich aber auch das 70-200 mm Objektiv beiseite und schnallte meine 24-105mm Optik an die Kamera, einfach um die grandiose Landschaft Alaskas noch mit auf das Bild zu bringen. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, dann würde ich aus heutige Sicht wahrscheinlich nur mit Weitwinkel arbeiten….Tiere in der Landschaft, das ist die Krönung der Naturfotografie.

Jean starb im Jahr 2009 und damit ging auch dieses Adler/Fotografenparadies verloren. Die Adler wurden die nächsten Jahre noch ein wenig weiter gefüttert, damit die „Entwöhnung“ nicht Hals über Kopf über sie hereinbrach. Natürlich werden jetzt einige schimpfen…“das ist doch gegen die Natur, die Adler zu füttern, das geht doch nicht….“. Ja stimmt alles, trotzdem war es schön bei Jean. Sie war ein Original, eine Ikone Alaskas, ein wenig verrückt aber unglaublich liebenswert. Sie hinterlässt eine Lücke….bis heute. Alaska verändert sich….leider nicht zum guten.

Das Leben ist schön!

Bleibt´s gsund!

Bernd Römmelt im März 2020!