Serie Bild 7: Diese Gruppe wäre erlaubt!

Das Bild entstand im September 2017 in Svalbard und zeigt eine Walrossmutter mit ihrem kleinen Jungen. Der Inselarchipel Svalbard ist eine Perle in der Arktis. Ich sage immer, es ist die Arktis in Kleinformat. Wer möglichst viele, typische Tiere der Arktis in kurzer Zeit kennen lernen möchte, der muss nach Svalbard. Mit ein wenig Glück kann man hier innerhalb von nur zwei Wochen z.B. Eisbären, Walrosse, Polarfüchse, Eiderenten, Rentiere, Krabben- und Papageitaucher, Bartrobben und und und beobachten. Es ist ein Paradies. Man nennt Svalbard auch das warme Herz der Arktis, da der warme Golfstrom für mildere Temperaturen als sonstwo auf diesem Breitengrad sorgt.

Wir schipperten im September 2017 drei Wochen rund um Svalbard. Es war eine stürmische Reise. Eine Orkantief nach dem nächsten jagde über uns hinweg und zwang uns oft, in den geschützten Fjorden Schutz zu suchen. Wer im Herbst dort oben unterwegs ist, weiß worauf er sich einlässt. Es ist die Zeit der Herbststürme. Der Herbst ist aber die einzige Zeit, in der man weit nach Osten fahren kann. Wer früher unterwegs ist, dem versperrt dichtes Packeis den Weg. Das Packeis hatte sich im September weit in  den Norden der Inselgruppe zurückgezogen, so dass wir ohne Probleme bis nach Kvitoya steuern konnten. Kvitoya, die weiße Insel, ist die östlichste Insel des Archipels. Ein dicker Eispanzer liegt wie ein Sargdeckel über der Insel. Wir erreichten Kvitoya an einem stürmischen Tag (natürlich). Immer wieder sahen wir kleine Gruppen von Walrossen vor den Gletscherwänden auftauchen. An eine Zodiacfahrt (kleine, feste Schlauchboot) war eigentlich nicht zu denken. Es juckte uns aber irgendwie doch. Besonders meine guter Freund und Kollege Norbert Rosing wollte unbedingt in Wasser. Also….rein in die Schlauchboote und ab zu den Walrossen. Es waren große Gruppen von Tieren, die immer wieder auftauchten und uns neugierig beobachteten. Es war fast unmöglich zu fotografieren. Immer wieder schwappten große Wellen ins Boot. Die Zodiacs wurde so durchgerüttelt, dass scharfe Bilder zur Glücksache wurden. Ich merkte bald, dass ich immer dann auf den Auslöser drücken musste, wenn die Boote in einen der „Wellengräben“ abtauchte. Aus den Augenwinkeln heraus sah ich plötzlich eine Walrossmutter mit ihrem Jungen, die uns bebachtete. Das Boote tauchte wieder in eines dieser Wellentäler und ich fotografierte einfach los, sicherlich 40-50 Bilder. Ich konnte im Sucher gar nicht erkennen, was ich da fotografierte. Das Boot schwankte derart, dass ich eigentlich gar nichts mehr sah. Erst beim überprüfen meiner Bilder an Bord, sah ich zu meiner großen Freude, dass tatsächlich ein paar Schüsse was geworden waren. Das obige Bild ist mein absoluter Liebling. Was für unglaublich schöne, majestätische Tiere. Sie schauen aus, wie aus einer anderen Welt. Beide blicken mir direkt in die Linse, direkt in meine Seele. Die Tiere stehen unter strengen Schutz. Sie treffen so selten auf Menschen, dass sie nur wenig Scheu besitzen. Der Mensch ist einfach keine Gefahr für sie….so müsste es überall auf der Welt sein. Neugierige Tiere, die kein Angst vor uns Menschen haben.

Svalbard….du Perle des hohen Nordens….ich hoffe, Dich diesen August wieder besuchen zu können…die Hoffnung stirbt zu letzt.

Bleibt`s gsund

Bernd Römmelt im März 2020!