Serie Bild 5: Im Reich des Geisterbären!

Nein das ist kein Eisbär! Das ist der seltenste Bär der Welt: der Kermode Bär oder Spirit Bear. Der Geisterbär ist eine Unterart des Schwarzbären, also kein Albino, der nur in einem winzig kleinen Gebiet in British Colombia, Kanada vorkommt. Man schätzt den Bestand auf wenige hundert Tiere. Bei dieser Unterart weisen etwa zehn Prozent aller Tiere ein weißes oder cremefarbenes Fell auf. Die restlichen 90 % der Kermodebären haben wie alle Amerikanischen Schwarzbären eine  dunkle Fellfärbung. Diese Färbung ist auf eine Genmutation, ein rezessives Gen, zurückzuführen.

Für mich war es ein Lebenstraum, den ich mir im September 2007 erfüllte. Ich arbeitete damals an einem Bildband über die „Inside Passage“. Die Inside Passage verläuft grob von Seattle im US Bundesstaat Washington bis hinauf nach Haines in Alaska. Der mehrere tausend Kilometer lange Küstenstreifen zählt zu den spektakulärsten Naturlandschaften der Welt. Es ist ein Paradies für viele wilde Tiere. Buckelwale, Delfine, Schwertwale, Robben, Elche, Küstenwölfe, Braun- und Schwarzbären nennen diese Küste ihr zu Hause. Wer schon mal den Geruch des kalten temperierten Regenwaldes in der Nase hatte, der wird ihn nie wieder vergessen. Ich las das erste mal vor über 25 Jahren von diesem geheimnisvollen weißen Schwarzbären und seitdem gingen mir diese Tiere nicht mehr aus dem Kopf. Im September 2007 machte ich mich auf die Suche. Zusammen mit meinem guten Freund Marcus Klotzsche bestieg ich am 15.9.2007 ein wunderbares, kleines Boot, welches uns für eine Woche durch den Great Bear Rainforest schippern sollte. Unser Ziel war es, den Geisterbären zu finden. Ein schwieriges Unternehmen, der Kermode ist ja der seltenste Bär der Welt. Wir stachen in See und nach etwa 2 Stunden Fahrt….der erste Bär. Ein Weißer! Ich konnte es kaum glauben, das gibt`s doch nicht. Der Geisterbär kletterte am felsigen Ufer einer winzig kleinen Insel entlang. Es war vollkommen surreal. Da wartet man 25 Jahre auf diesen Bären, rechnet damit, mindestens 7 Tage zu suchen, um ihn evtl. im dunklen Regenwald fotografieren zu können….und dann stapft da so ein Wunderbär schon am ersten Tag, im schönsten Abendlicht, die Küste entlang. Ich weiß bis heute nicht, wie ich diesen Moment überlebt habe. Mein Herz schlug so schnell, dass ich einem Infarkt nur um haaresbreite entkommen bin. Diese Begenung zählt bis heute zu den schönsten Momenten in meiner fotografischen Laufbahn. Ich denke fast täglich daran zurück.

Das Gebiet des Great Bear Rainforests steht heute unter enormen Druck. Der Grund ist ein großes Pipeline Projekt. Öl aus den (dreckigen) Ölsandgebieten Albertas soll in Zukunft über eine Pipeline direkt nach Prince Ruppert geleitet werden. Prince Ruppert liegt am Rande des Great Bear Rainforest. Von dort sollen riesige Tanker das schwarze (dreckige) Gold in alle Welt verteilen. Die Tanker müssen durch den Great Bear Rainforest….und man muss sich nur vorstellen, was passieren würde, wenn einer dieser Tanker, voll mit Öl, auf ein Riff läuft oder aufgrund eines Sturms in Seenot gerät. Das wäre das Ende dieses Naturparadieses und das Ende des Geisterbären. Auch der Lärm der Schiffe hat extreme Auswirkungen zum Beispiel auf die vielen Wale und Delfine an der Küste. Ich hoffe die Menschen kommen zu Besinnung und schützen dieses Paradies weiter. Öl hat keine Zukunft….es ist doch so einfach!!

Bleibt`s gsund

Bernd Römmelt im März 2020!