Serie Bild 13: Geduld zahlt sich aus!

Das Bild entstand im September 2013 im Wrangell-St.-Elias-Nationalpark in Alaska. Der NP ist mit knapp 53.000 Quadratkilometern der größte Nationalpark der USA…und einer der wildesten. An den Rand des Parks führen lediglich zwei kleine Schotterpisten…und dann geht`s erst los. Viele der Berge sind weit über 4500 Meter hoch. Während in den Denali NP jedes Jahr ca. 600.000 Touristen strömen, sind es im Wrangell-St. Elias nur knapp 80.000. Der Park hat einfach keine touristische Infrastruktur…was gut ist….bleibt er dadurch wild und ungezähmt. Neun der sechzehn höchsten Berge der USA liegen in dieser Region. Ich besuchte den Park das erste Mal 1999. Damals fuhr ich bis nach McCarthy und unternahm von dort Tageswanderungen in die grandiose Bergwelt. Ich fühlte mich hier sofort wohl…alles war ruhiger und noch a bißerl wilder wie im berühmten Denali NP.

Im September 2013 verbrachte ich vier Wochen in Alaska. Ich fotografierte in der Brooks Range im hohen Norden und im Denali NP in Zentralalaska. Nach knapp 3 1/2 Wochen war ich fix und fertig. Alaska ist grandios und schön…aber auch extrem anstrengend. Das Wetter ist meist schwierig (um es mal gelinde auszudrücken) und viele tolle Locations sind nur zu Fuß zu erreichen…! Während der ersten 3 1/2 Woche hatte ich fast nur Regen, Nebel…es war saukalt…trotzdem habe ich natürlich Vollgas gegeben. Ich stand damals auch ein wenig unter Druck, da ich gerade an einem neuen Buch über Alaska für den Verlag National Geographic arbeitete…(und „denen“ will man natürlich ein paar gute Bilder liefern). Also…gegen Ende der Reise hatte ich noch 4 Tage Zeit. Denali und Brooks Range waren (trotz Nebel und Regen) ganz gut gelaufen und ich wollte unbedingt noch ein paar Tage ausspannen, einfach die Wildnis, die Natur Alaskas genießen. Ich entschied mich, dies im Wrangell-St.-Elias Nationalpark zu tun. Alle Wege in den Park führen über Glennallen, einem kleinen Ort im Zentralalaska. Von hier aus hat man, wenn das Wetter mitspielt, einen grandiosen Blick auf die Schnee- und Eisklötze des Wrangell-St.-Elias NP. Als ich in Glennallen ankam, war das Wetter fantastisch. Ich fuhr zu einem tollen Aussichtspunkt, den ich von früheren Reisen kannte. Als ich dort ankam….immer noch Prachtwetter…nur waren die großen Berge des Parks in Wolken gehüllt. Das passiert sehr oft, diese Berggiganten produzieren ihr eigenes Wetter. Ich begann zu warten und hoffte, die Wolken würden sich später auflösen. Es passierte nichts. Auch am Abend steckten alle Gipfel in einer dicken Wolkensuppe. Also entschied ich mich, auf den nächsten Morgen zu warten. Am nächsten Tag dasselbe Bild. Traumwetter nur eben im Wrangel-St.-Elias nicht. Ich beschloß, weiter zu warten, fotografierte über Stunden hinweg Pfeifhasen, kleine lustige Nager, die zu meinen absoluten Lieblingstieren Alaskas gehören. Dann kam der Abend. Immer noch Wolken. Plötzlich aber riss es für wenige Minuten auf und zumindest Teile der Giganten lugten für kurze Zeit aus der Wolkendecke (im Bild sieht man ganz rechts die Flanke des Berges)…und das im schönsten Licht. Ich weiß bis heute nicht, welcher Berg sich da kurz zeigte….wurscht….war trotzdem super. Ich machte sicherlich 200 Aufnahmen…immer dasselbe Motiv….wurscht….war trotzdem sauguat!

Die restlichen drei Tage verbrachte ich im Park…bin an fantastischen Gletschern entlang gewandert, habe an wilden Flüssen gedöst und die Natur Alaskas mit allen Sinnen genoßen. Heute würde ich meine gesamten Reisen genauso verbringen…langsam…ohne Hektik…viel mehr die Natur genießen…man wird älter und klüger hihi (okay klüger vielleicht nicht…aber älter…).

Das Leben ist schön!

Bleibt´s gsund!

Bernd Römmelt im März 2020!