Serie Bild 12: Fotografische Steinzeit!

Dieses Bild ist etwas Besonderes. Nicht weil es besonders spektakulär wäre, es ist jedoch eines meiner ersten Bärenbilder überhaupt. Es entstand im Juli 1996 im Katmai Nationalpark in Alaska. Ich durchstreifte dieses großartige Land damals fast neun Wochen. Ganz alleine…oh mei waren das noch Zeiten. Ich war voller Enthusiasmus, bin allem hinterher gestiegen, was sich nur irgendwie bewegt hat….in der Hoffnung „weltbeste“ Tierbilder zu bekommen. Damals traf ich im Katmai Nationalpark große Fotografen wie Theo Allofs oder Mathias Breiter….Helden meiner Zeit. Ich schaute mir einiges von den beiden ab. Z.B. wie fokussiert und hartnäckig beide arbeiteten. Sie waren immer die ersten, die in der Früh auf waren und immer die letzten, die schlafen gingen. Theo schwärmte von seiner nagelneuen Nikon F5….“die macht jetzt 8 Bilder in der Sekunde“…heute würde man über diese Serienbildgeschwindigkeit nur müde lächeln…damals aber war das Wahnsinn. Ich fotografierte zu dieser Zeit mit einer Nikon F4. Mit dieser Kamera konnte man Nägel in die Wand hauen, so robust war das Gehäuse. Für alle jüngeren Leser. Damals fotografierte man noch mit analogen Kameras. D.h. man konnte die Kameras hinten aufklappen und einen Film einlegen hihi. Diese Filme hatten ASA/ISO Zahlen von sage und schreibe 50 oder 100. Lichtempfindlichere Filme waren eigentlich nicht zu verwenden, da das Filmkorn dann extrem störend wurde. Wir Fotografen waren also gezwungen, mit 50 oder 100 ASA zu arbeiten (im Vergleich: manche der heutigen digitalen Kameras können gar nicht mehr auf 50 oder 100 ISO gestellt werden….ist einfach zu wenig). Um scharfe Bilder zu bekommen, waren lichtstarke, teure Objektive nötig…z.B welche mit der Anfangsöffnung von 2.8. Man muss sich das mal vorstellen: Wenn ich damals in den dunklen Wäldern Alaskas Tiere fotografieren wollte, hatte ich maximal 100 ASA/ISO zur Verfügung….man war das schwierig (heute fotografiere ich Tiere mit 3200 ASA oder 6400 ASA und das als quasi „Grundeinstellung“). Darüber hinaus besaß ich zu dieser Zeit keine einzige Optik, die mit Autofokus ausgestattet war….ich musste alles manuel also per Hand scharf stellen. Das Bild oben schoß ich also mit der Nikon F4 und dem Nikkor MF 4/500mm (natürlich ohne Stabi, den gabs damals bei Nikon noch nicht) auf Velvia 50 (was für ein Film!!!).

Ich mag das Bild aber nicht nur deswegen so gerne, weil es eines meiner ersten Bärenbilder war, sondern auch weil der Bär hier so wunderbar auf dem einzigen Stein weit und breit sitzt. Er wollte sich anscheinend nicht nass machen. Das Lustige war, dass ca 50 Meter von ihm entfernt, in den legendären Brooks Falls, zehn weitere große Braunbären standen und sich um die Lachste stritten, die im Juli zu Millionen die Flüsse Alaska hinauf ziehen. Er beobachtete nur, war total entstpannt (…schaut euch mal seine Tatzen an….unglaublich)

Übrigens schaute ich damals immer etwas neidisch auf die neusten Kameras und Objektive meiner Helden….meine Ausrüstung hinkte dem Stand der Technik (und der war im Vergleich zu heute „steinzeitlich“) um ein paar Jahre hinterher. Ich kaufte immer alles gebraucht, meist technisch veraltete Ausrüstung, weil damals einfach finanziell nicht mehr drinn war. Irgendwann sagte Theo zu mir: Schau nicht auf die Ausrüstung, die spielt keine große Rolle, mach dein Ding, schau auf die Landschaft, die Tiere, du mußt eins werden mit deinem Fotoobjekt…du musst die Seele einer Landschaft, eines Tieres berühren….und das schaffst du nur, wenn du das Land, die Region liebst…dann machst du die besten Bilder. Wie recht er doch hatte der gute Theo. Alaska wurde zu meiner großen Liebe…bis heute

Das Leben ist schön!!

Bleibt`s gsund

Bernd Römmelt im März 2020!