Verlage und die Frage der Qualität!

Liebe Website Besucher,

vor kurzem hielt ich die Verlagsvorschau eines großen, bekannten deutschen Verlages in den Händen. Ich blätterte mich so von einer zur anderen Seite und blieb an der Ankündigung eines Bildbandes hängen.

Als Aufmacher stand dort in großen Buchstaben: „Der Fotograf hat 100.000 Follower (besser Verfolger – aber das nur nebenbei) auf Facebook“. Ich dachte mir zuerst, was soll denn das heißen, bzw. was soll diese Aussage im Hinblick auf das Buch? Erst später begriff ich, dass das eine Werbeaussage war. Der Velag preist den Fotografen und Autor weil er „ein Held der sozialen Medien“ ist.

Ich frage mich zunehmend, was aus unserer Welt geworden ist. Ist eine bestimmte Anzahl von „Followern“  tatsächlich ein Qualitätssiegel für einen Fotografen und damit für einen Bildband? Meiner Meinung nach überhaupt nicht. Ein Bildband ist für mich dann reizvoll, wenn die Bilder toll sind und das Thema interessant ist und nicht weil der Autor omnipräsent ist in den sozialen Medien. Im Umkehrschluss heißt das doch nichts anderes: Verkaufe Dich in den sozialen Medien so gut wie möglich, stelle Dich so gut wie möglich dar, seit so laut wie möglich, schare Jünger um Dich, dann wirst du es als Fotograf weit bringen (nicht wegen der Qualität sondern wegen der „Verfolger“ – dies gilt für alle anderen Tätigkeitsbereiche ürbigens auch – leider)

Der Hintergedanke der Verlage ist natürlich klar: Je mehr „Verfolger“ in den sozialen Netzwerken desto mehr potentielle Kunden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht mag das sicher gut und richtig sein, muss man aber immer alles dem Geld unterordnen? Wenn ich als Fotograf richtig Kohle machen wollte, dann würde ich gar keine Bücher mehr machen, da sich der wahnsinnige Aufwand für das geringe Honorar überhaupt nicht lohnt. Ich mache sie aber trotzdem (und das mit viel Herzblut) weil es einfach nichts schöneres gibt, als einen tollen Bildband zu produzieren. Ich richte mein Handeln also auch nicht immer nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus. Es geht bei mir um Leidenschaft, Freude an der Fotografie, Begeisterung….! Leider gilt das heute für viele Verlage nicht mehr. Der Überlebenskampf ist in der Branche anscheinend so groß, dass alles der reinen Wirtschaftlichkeit unterworfen wird (auch wenns zu Lasten der Qualität geht)

Ich wünsche mir einen Verlag, der mit dem selben Enthusiasmus wie ich selbst arbeitet. Der sich einen Hauch von Idealismus bewahrt hat, der sich für ein Buchthema entscheidet, weil die Bilder, das Thema, die Texte saugut sind. Verlage die nur auf die Follower ihrer Autoren starren verkaufen ihr Identität – zu Lasten der Qualität.

Gibt es eine Lösung? Wahrscheinlich nicht…der Druck des Geldes wird wie immer gewinnen.

Bernd Römmelt im Mai 2018

P.S: Ich habe mir den Bildband übrigens gekauft und er ist tatsächlich ganz wunderbar (Glück gehabt)