Auf der Taymir Halbinsel in Nord-Sibirien

Anfang August machte ich mich abermals auf Richtung Osten. Ziel war dieses mal die abgelegene Taymir Halbinsel in Nordsibirien. Nach 10 Stunden Flug kam ich im kleinen Ort Khatanga an…und war schon fix und fertig. Wenn ich gewußt hätte, was mich in den folgenden gut zwei Wochen noch so alles erwarten würde, wäre ich wahrscheinlich sofort ins nächste Flugzeug Richtung Heimat gestiegen.

Was will ich an diesem abgelegenen Ort? Ich will zu den Dolganen. Die Dolganen sind ein kleines “Rentiervolk”, das im äußersten Norden Sibiriens noch relativ “ursprünglich” mit und von den Rentieren lebt. Lange im Voraus hatte ich mir (genauer gesagt Andrey von Greenpeace Rußland) eine Genehmigung besorgt, um in dieses besondere Gebiet reisen zu dürfen. Die Taymir Halbinsel ist sogenannte “Grenzzone” und darf nur mit Sondergenehmigung betreten werden. Zum Glück hatte ich Andrey von Greenpeace Rußland mit dabei. Ohne ihn wäre ich komplett verloren gewesen. Man muss wissen, die meisten Russen sprechen kein Englisch und Reisen ohne Sprachkentnisse ist fast nicht möglich. Andrey übersetzte, verhandelte, erklärte…….!

Angekommen suchten wir sofort einen lokalen Guide, der uns zu den Rentierzüchtern in die Tundra bringen sollte. Das aber wiederrum gestaltete sich äußerst schwierig. Erst nach drei Tagen (und was macht man drei volle Tage in Khatanga?) gelang es uns, Alexey ausfindig zumachen. Ein Wahnsinns Glücksfall, wie sich schon bald herausstellen sollte. Alexey ist in Khatanga geboren und aufgewachsen und kennt die Gegend wie seine Westentasche. Er verfügte über ein schnelles Boot und kannte so ziemlich alle Menschen, die flußabwärts lebten. Noch am selben Abend ging es los. Wir machten uns auf in das Abenteuer unseres Lebens. Ziel war das abgelegenste Dolganen Dorf am Fluss – Scopochnaja. Vor uns lag eine ungemütliche zwanzigstündige Bootsfahrt auf einem unruhigen und nicht ungefährlichen Fluss.

Als ich aus dem Boot stieg (ich war wie tot) wurden wir von Millionen Moskitos empfangen, die sich anscheinend schon auf uns gefreut hatten – frisches bayerisches Blut….! Wir verbrachten eine Nacht im Dorf, wurden bestimmt fünf mal zum Essen eingeladen und machten uns am nächsten Tag auf in die Tundra. Alexey kannte eine Familie, die sich “nicht allzu weit weg” vom Dorf aufhielt. Aus nicht allzu weit weg wurden dann noch mal sechs Stunden mit einem kleinen  Zodiac und zwei Stunden zu Fuß durch eine Mücken verseuchte Tundra (ich war wieder wie tot). Die folgenden Tage verbrachte ich wie im Traum. Wie lebten mitten “unter” den Rentierzüchtern, nahmen an ihren harten Leben in der Tundra teil. Es war unglaublich. Wir wurden extrem herzlich empfangen. Sobald wir nur eines der drei Zelte betraten, wurden wir schon zum Essen eingeladen und natürlich zum Tee (ich habe in sechs Tagen noch nie so viel Tee gtrunken wie hier in der Tundra Sibiriens).

Sechs Tage blieben wir bei den Rentierzüchtern und erlebten hautnah, wie diese Menschen mit den Rentieren lebten. Für mich eine vollkommen andere, unglaubliche Welt. Ein wahres Abenteuer. Der schönste Satz der gesamten Reise stammt von Svetlana, einer jungen Rentierhirtin. Sie fragte mich irgendwann, ob ich ihr nicht ein wenig von der Welt das draussen erzählen könne, nicht weil Sie die Welt das draussen nicht kannte, sondern weil Sie einfach seit drei Monaten in der Tundra lebte und seitdem keine Informationen über das Weltgeschehen mehr erhalten hatte. Man sieht es geht auch so…….!

Wer mehr über meine Reise zu den Dolganen erfahren möchte, der ist ganz herzlich eingeladen, auf einen meiner Vorträge zu kommen. Ab November starte ich meine Vortragstour quer durch Deutschland (Termine werden hier noch bekannt gegeben)

Unberührte Tundralandschaft soweit das Auge reicht.

Nach ca. 10 Stunden Fahrt flußabwärts machen wir mit unserem russischen Guide Alexey (rechts) einen kurzer Stop bei seinem Freund Nikolai (links), der hier mitten in der Einsamkeit Nordsibiriens ein Einsiedler-Dasein führt – ohne Strom, fließend Wasser….. Sofort wurden wir zum Essen eingeladen…..!

Der Permafrost dient  Nikolai als natürlicher, riesiger unterirdischer Kühlschkrank. So schaut es ca. einen Meter unter der Erde aus….

Nach 20 Stunden auf dem Fluss erreichen wir das kleine Dorf Scopochnaja. Viele der Dolganen leben heute in festen Dörfern und nur noch im Sommer bei ihren Rentierherden in der Tundra.

Auf unserem Weg in die Tundra machten uns tausende Moskitos das Leben zur Hölle. Andrey leidet….!

Ankunft in der Tundra bei den Rentierzüchtern. Die Dolganen leben hier in kleinen, mobilen Hütten, direkt bei ihren Herden.

Kristina und Piotr in der kleinen Hütte ihrer Eltern….und immer gut gelaunt.

Jana und Vadim genießen die Aufenthalte in der Tundra. Nach den Ferien heißt es wieder zurück in die Dörfer…die Schule wartet.

Vadim scheinen die Moskitos nichts auszumachen. Mit stoischer Ruhe ertragen die Menschen hier diese Plagegeister.

Die Gastfreundschaft der Menschen war unglaublich. Wir wurden jeden Tag mit drei warmen Mahlzeiten und Unmengen von Tee verwöhnt. Svetlana und ihr Sohn Piotr vor einem reichlich gedeckten Frühstückstisch.

Ein Meer aus Geweihen. Unsere drei Familien hatten zusammen ca. 700 Rentiere.

Die Tiere haben beinahe jede Scheu gegenüber Menschen verloren und kreisen direkt um die kleinen Hütten. Das Bild entstand mit 24mm Weitwinkel.

In Aufruhr gerieten die Tiere nur, wenn die Hirten mit den Lassos auftauchten. Für die Tiere ein Zeichen für Arbeit (ziehen der Schlitten) oder Tod (man braucht Fleisch).

Mit großem Geschick werfen die Hirten das Lasso. Sie benötigen Zugtiere für die Schlitten. Die Hirten bleiben nur zwei Tage an einem Ort, dann geht es weiter. Dadurch soll verhindert werden, dass die Tundra unter den Herden zu stark leidet.

Die Kraft der großen Rentierbullen ist nicht zu unterschätzen. Mit dem großen Geweih können sie den Hirten schwerste Verletzungen zufügen.

Ist alles zusammengepackt, so ziehen die Familien mit ihrem gesamten Hab und Gut weiter. Die Hütten werden auf Schlitten geladen und von den Rentieren gezogen. Stolz reitet Piotr sein eigenes Rentier…!

Vasilij “on the way”

Ab und an wird ein Tier geschlachtet und das Fleisch zum trocknen aufgehängt.

Piotr entspannt in der Tundra.