Serie Bild 22: Das Leben ist schön!!

Gestern Morgen war ich an einem wunderschönen See im Alpenvorland. Das Licht war gigantisch, die Zugspitze leuchtete rot und spiegelte sich perfekt im Wasser. Ich fotografierte so vor mich, zufrieden mit mir und der Welt. Plötzlich sah ich eine Graugans, die so ganz langsam am Ufer entlang schwamm, nichts ungewöhnliches…eigentlich. Ich beobachtete die Gans eine ganze Weile…dann schwamm sie vom Ufer weg hinaus auf den See…und ich traute meinen Augen kaum. In ihrem Schlepptau schwammen acht kleine Kücken. Ich dachte mir sofort…scheiße…was für ein Stress (der jetzt gleich beginnen wird). Ich rannte hinunter zum Ufer. Während des Rennens kramte ich im Rucksack nach meinem 100-400mm Objektiv, stellte die Kamera auf AF, machte den IS an, fuhr die ISO Zahl nach oben und stolperte zwanzig mal über meine Füße. Am Ufer angekommen warf ich mich auf den Boden und begann auf dem Bauch liegend zu fotografieren. Ich war so hektisch, dass ich beinahe ins Wasser fiel. Die Gänsemutter schwamm auf den See hinaus. Mist dachte ich mir, ich bin zu spät. Dann änderte sie plötzlich die Richtung und schwamm parallel zum Ufer…die ganze Familie in einer Schärfenebene…Wahnsinn….die Kamera rauchte. Ich machte sicherlich 200 Bilder in 2 Minuten.

Als ich alles im Kasten hatte, war ich fix und fertig. Ich setzte mich hin und beobachtete die Familie. Dann musste ich in mich hinein lachen und begann gedanklich mit mir selbst zu reden: „Jetzt fotografierst schon 30 Jahre Tiere, hast in der Arktis Eisbären fotografiert, in Alaska die größten Braunbären der Welt, hast in British Columbia Buckelwale beim bubble net feeding geknipst und den seltensten Bären der Welt vor die Linse bekommen…und dann bringt dich eine Gänsefamilie vollkommen um den Verstand“. In allen den Jahren scheint doch noch ein wenig Begeisterung übrig geblieben zu sein…und genau das ist es,…genau um das geht es. Dann, wenn mir so eine unglaubliche Gänsefamilie wurscht ist, wenn ich für sie nicht mehr den Hang hinunter purzle, dann ist es Zeit aufzuhören. Das aber wird noch ein wenig dauern….ich plane morgen zurückzukommen und den ganzen Vormittag Gänse zu fotografieren…ein Traum.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 21: In den Richardson Mountains!

Das Bild entstand im September 2009 in den Richardson Mountains in den kanadischen Northwest Territories. Die Richardson Mountains sind ein wilder Gebirgszug im hohen Norden Kanadas. Das Gebirge liegt schon weit nördlich des Polarkreises und zählt für mich zu den schönsten und ursprünglichsten Bergwelten des Nordens.

Ich beobachtete den Grizzly schon eine ganze Weile mit dem Fernglas. Es war ein wunderschöner, dunkelbrauner Bär. Irgendwann kam er im Zickzackkurs immer näher. Ich schnappte meine Kamera und wartete. Michio Hoshino, der legendäre Alaska Fotograf aus Japan, der 1996 tragisch durch einen Braunbären im Kamtschatka ums Leben kam, sagte einmal: „Lass die Tiere immer auf dich zukommen, überlaß ihnen immer selbst die Entscheidung, ob sie kommen wollen oder nicht“. Natürlich juckte mich es, dem Bären ein wenig entgegen zu gehen….man weiß ja nie, ob er es sich plötzlich anders überlegt und verschwindet….und ein paar Bilder will man natürlich schon bekommen. Ich zwang mich aber wirklich ruhig zu warten. Er kam näher….dann lief er mir genau ins Gegenlicht, die knallrote Tundra leuchtete so extrem, dass ich fast geblendet war. Ich fotografierte ein Bild nach dem anderen. Es war einfach fantastisch. Das Bild gehört zu meinen absoluten Lieblingen. Ich liebe es, Tiere in ihrem Lebensraum zu zeigen…Tiere in der Landschaft….das ist die Krönung der Tierfotografie.

Ich wartete und fotografierte und wartete und plötzlich stand der Bär etwa 10 Meter von mir entfernt. Ein Traum. Ich machte noch ein paar Bilder und zog mich langsam zurück. Dem Bären war ich vollkommen egal. Er registrierte mich kaum…von wegen also wilde, blutrünstige Bestie. Alle Bären, die ich bis jetzt „kennengelernt“ habe, waren wahnsinng scheue, zurückhaltende ja fast schon schüchterne Gesellen. Natürlich muss man vorsichtig sein, der Bär ist ein Raubtier. Wer im Bärengebiet wandert , der sollte immer ein wenig Lärm machen, denn einen Bären sollte man niemals überraschen. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon wieder auf meine nächste Bärenbegegnung. Sei es in Alaska, Kanada, Finnland oder den Ammergauer Alpen (man das wärs)….ich werde dann wieder warten und mich freuen, wenn er vor mir steht…das schönste Landraubtier der Welt.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 20: Flugmorgen!

Was für ein Traummorgen heute Früh. Nebel lag über der Landschaft, die Wiesen noch Reif besetzt, klar wie im Herbst. Ich war unterwegs….natürlich im Alpenvorland. Eigentlich würde ich jetzt gerne auf die Berge zum fotografieren. Das ist im Moment aufgrund der Coronakrise aber nur schwer möglich. Die Bergwacht muss geschont werden….alle Kräfte gegen den Virus…das muss momentan die Devise sein.

Wenn ich bei solch tollen Morgenstimmungen unterwegs bin, dann versuche ich immer, mehrere Motive gleichzeitig zu fotografieren. Hier stand meine Drohne am Himmel, ich knipste parallel vom Stativ, machte am zweiten Stativ ein Zeitraffer und versuchte auch noch ziehende Nebelschwaden zu filmen. Schwerstarbeit also! Dabei ist es schon vorgekommen, dass ich die Drohne am Himmel vergessen habe und sie plötzlich automatisch zurückkkam. Zum Glück gibt es diese Automatik, sonst wären mir schon diverse Drohnen abhanden gekommen.

Auch heute Morgen gefiel mir das Gegenlicht wieder am besten. Die Nebelschwaden standen perfekt über dem See, die Sonne stand wunderbar links neben der Benewand. Ich bin immer wieder überrascht, wie gut die Drohne das Gegenlicht verkraftet. Der Sonnenstern ist wirklich (einigermaßen) schön, die Durchzeichnung der Tiefen und Lichter noch akzeptabel. Früher hätte ich für solche Motive für hunderte Euro ein kleines Flugzeug chartern müssen, heute „kostet“ mich der Flug rein gar nichts mehr. Toll wäre es, wenn bald Copter auf den Markt kämen, die über einen etwas größeren Sensor verfügten….natürlich bei gleichbleibenden Gewicht. Am besten wäre folgende Drohne: Gewicht: unter einem Kilo, Größe: passend für jeden Wanderrucksack, Sensorgröße: mindestens Micro Four Thirds, Objektiv: 24-70mm Zoom. Kommt alles….nur wann? Ich hoffe ich erlebe es noch!

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 19: Nebelland!

Das Bild entstand heute Morgen im bayerischen Alpenvorland nahe Benediktbeuern. Wie die ganzen letzten Tage auch, war es heute Morgen sehr dunstig. Mit der Sonne im Rücken ging überhaupt nichts, die Berge bekamen fast kein Licht. Gegenlicht gibt in solchen Situationen aber fast immer was her. Hier steht die Sonne knapp rechts außerhalb des Bildes. Ich verwendete ein 100-400mm Zomm bei knapp 300mm. Das Canon 100-400mm ist eine derart überragende Optik, das trotz der fehlenden Gegenlichtblende (war zu faul sie drauf zu schrauben) keinerlei störende Reflexe der Sonne im Bild zu sehen sind. Es gibt auf dem gesamten Fotomarkt nur eine Handvoll Optiken, die über ein derart gutes Gegenlichtverhalten verfügen (weitere z.B. Canon 4/16-35mm, Canon 2,8/300mm, Sigma Fisheye 2,8/15mm, Nikkor 3,5-4,5/28-70mm). Eigentlich ist die Landschaft im obigen Bilde recht unspektakulär, setzt man sie jedoch ins richtige Licht (und dieses Licht gibt es in unseren Breiten nur kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang), dann werden auch diese „langweiligen“ Landschaften zu etwas Besonderen (zumindest für mich)

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 18: der coolste Raucher der Welt!

Ich bin überhaupt kein Freund des Rauchens…aber Vasilij war einfach Wahnsinn. Das Bild entstand im August 2011 auf der abgelegenen Taimyr Halbinsel im hohen Norden Sibiriens. Bis auf die höhe von Spitzbergen schiebt sich die Halbinsel in das nördliche Polarmeer und ist damit der nördlichste kontinentale Festlandteil der Erde. Keine Straße führt hier hinauf….Taimyr ist wahrscheinlich eine der abgelegensten Regionen auf der nördlichen Halbkugel. Ich wollte dort oben die Dolganen, ein Volk von Rentiernomaden fotografieren. Zum Glück arbeitete ich damals für die Umweltschutzorganisation Greenpeace, ohnen deren Unterstützung wäre diese Expedition niemals zustande gekommen.

Also…im August 2011 machte ich mich auf nach Moskau und traff mich dort mit meinem Guide und Freund Andrey von Greenpeace Russland. Ohne einen Guide, der die Sprache kann und sich mit den Gepflogenheiten vor Ort auskennt, hat man in Sibirien (wahrscheinlich in ganz Russland) keine Chance. Von Moskau ging es nach Krasnojarsk und von dort weiter nach Chatanga. Chatanga hat knapp 2700 Einwohner und ist das Zentrum der Taimyr Halbinsel. Von dort aus wollten wir die weitere Reise zu den Dolganen organisieren. Die ersten vier Tage in Chatanga passierte gar nichts. Wir versuchten verzweifelt einen Guide zu finden, der uns in die Tundra bringt. Wir hatten schon fast jede Hoffnung aufgegeben, dann traffen wir Alexey. Alexey lebt seit seiner Geburt in Chatanga und kennt die Gegend und vor allem die Menschen wie seine Westentasche. Ein unglaublicher Glücksfall. Er bot uns an, uns zu den Dolganen zu bringen. Es ist wahnsinnig schwierig, die Rentiernomaden zu finden. Sie ziehen durch die Tundra und sind nur selten für längere Zeit an einem Ort. Es ist die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Jetzt zahlten sich die guten Verbindungen Alexeys aus. Er schaffte es tatsächlich, Verbindung zu einer Gruppe in der Tundra aufzunehmen. Vor uns lagen weiter vier Tage Anreise. Zuerst ging es mit einem Schnellboot zwei Tage den Fluss Chatanga hinauf bis zu einem winzig kleinen „Dolganen“ Dorf mitten im Nichts. Dort verbrachten wir wieder zwei Tage mit warten (ich schlief unter dem Küchentisch in einem Haus mit mindestens 10 weiteren Personen….puh). Dann setzten wir uns in ein kleines, motorgetriebenes Schlauchboot und fuhren noch mal knapp 6 Stunden flussaufwärts. Irgendwann stoppte das Boot und wir stiegen aus. Ich dachte mir „…und jetzt?“. Weit und breit war nichts zu sehen. Nur flache eintönige Tundra. Es war heiß, die Moskitos begannen uns im wahrsten Sinne des Wortes aufzufressen. Geht mal zwei Stunden diesen Bach entlang, empfahl unser Guide, dann werdet ihr auf das Lager stoßen. Mit einem mulmigen Gefühl gingen Andrey und ich los. Was wenn die Jungs und Mädels schon weitergezogen waren? Wir wanderten also los….und erreichten tatsächlich nach knapp zwei Stunden Fußmarsch das kleine Lager der Rentiernomaden. Sogleich wurden wir empfangen….und wie. Alle Familien wollten uns gleichzeitig in ihre Hütte einladen. Die Gastfreundschaft war wirklich überwältigend. Ich begann natürlich sofort zu fotografieren. So eine Möglichkeit bekomme ich nie wieder, wirklich nie wieder. Es war wie im Traum. Die ganze mühselige Anreise war sofort vergessen. Die Dolganen leben hier am Ende der Welt, vollkommen weg von irgendwelcher Zivilisation, komplett autark. Sie folgen ihren Rentieren durch die Tundra, sind selten länger als zwei bis drei Tage am selben Ort. Während meines Ethnologiestudiums habe ich jahrelang über die Dolganen gelesen und jetzt war ich wirklich dort, live, konnte alles hautnah erleben. Unglaublich! Wir schliefen zu fünft in einer „Hütte“ auf den Boden auf dicken Rentierfellen…! Ich versuchte wirklich so viel wie möglich zu knipsen…was meine Gastgeber irgendwie verwunderte. Sie fragen Andrey, ober der immer so hippelig sei…was dieser (leider) nur bestätigen konnten.

Wir verbrachten sieben Tage bei den Dolganen und wurden zum Glück auch Zeugen davon, wie die Dolganen ihr kleines Dorf verlagerten. Ihre kleinen Hütten stehen auf Kufen. Wenn also die Zeit für einen Standortwechsel gekommen war, dann wurden einfach die Seiten der Hütten nach oben geklappt, alles ein wenig fest gezurrt und die Rentiere vor die Hütten gespannt und auf ging`s über die Tundra. Die Rentiere zogen die Hütten….was für ein Bild. Das Lustige war, dass die Dolganen auf ihren Rentieren reiten wie wir auf Pferden. Sowas habe ich z. B. bei den Sami im hohen Norden Skandinaviens nie gesehen. Der coolste war Vasilij. Er hatte immer eine Zigarette im Mund…ununterbrochen (wie ca 99 % aller Russen). Er ritt vorne weg und zeigte den Weg. Es war einfach nur unglaublich. Ich muss mich heute noch oft kneifen, ob das wirklich alles wahr war? Nach sieben Tagen bei den Dolganen traten wir unsere Rückreise an: Wieder zwei Stunden Fußmarsch, sechs Stunden Schlauchboot fahren, zwei Tage warten im Dorf, zwei Tage mit den Motoboot zurück nach Chatanga. Dort sollten wir eigentlich in unser Flugzeug nach Krasnojarks steigen….es war leider kaputt. So wurde es uns zumindest gesagt. Uns wurde mitgeteilt, dass das Flugzeug erst wieder funktioniere, wenn wir ein paar tausend Rubel zahlten….was wir zähneknirschend taten. Interessanterweise funktionierte die Maschine plötzlich innerhalb weniger Stunden….Reisen in Russland. Zurück ging es dann ohne Komplikationen….ohne Sicherheitsgurte, das Gepäck kreuz und quer in der Maschine verteilt…ein Traum! Es war das größte Abenteuer meines Lebens!

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 17: Frühlingsgefühle!

Eigentlich wollte ich heute Morgen an den Osterseen im bayerischen Alpenvorland ein wenig Landschaftsfotografie betreiben. Es war jedoch sehr dunstig, so dass ich mein Weitwinkel Objektiv relativ schnell beiseite legte und mein 100-400mm an die Kamera schnallte. Ich beobachtete die beiden Graugänse schon eine ganze Weile. Sie schwammen direkt vor mir auf und ab. Ich fotografierte die Beiden mit der Landschaft im Hintergrund, im Nebel, mit Spiegelung und und und. Plötzlich aber wurden sie unruhig. Ich drehte sofort meine ISO Zahl nach oben, zoomte auf 400mm, schaltete auf AI-Servo um….und wartete. Ich schaute sicherlich weitere 3-4 Minuten durch den Sucher, jetzt nix falsch machen, immer drauf bleiben. Dann endlich begannen sie zu rufen und starteten los. Ich schoß knapp 50 Bilder…glücklicherweise die meisten scharf. So etwas passiert mir selten….meistens ist eins scharf (meist das Falsche) und 49 unscharf. Naja auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Mir gefällt das Bild sehr gut, weil es so wunderbar die „Startbahn“ der Gänse zeigt. Okay…es ist kein Meisterfoto…aber es war halt sauguad!!

Das Leben ist schön!

Bleibt´s gsund!

Bernd Römmelt im April 2020!

Serie Bild 16: Immer wieder schön!

Auch dieses Bild ist aktuell. Es entstand heute Morgen im bayerischen Alpenvorland (im Hintergund leuchtet die verschneite Zugspitze). Ich werde oft gefragt, ob ich manche Fotoplätze auch mehrmals anfahre. Ich antworte darauf meistens mit „nein nicht mehrmals, hunderte Male“. Diesen Platz suche ich im Jahr sicherlich 40-50 mal auf. 40-50 mal, um dort zu fotografieren!! Jetzt werden sicher manche an meinem Verstand zweifeln. Viele meiner Freunde und Kollegen schütteln den Kopf, wenn ich ihnen erzähle, dass ich schon wieder an diesem magischen Platz war. Die ham`s halt einfach nicht begriffen. Zum einen ist der Platz einfach so schön, dass es sich auch ohne Kamera lohnt, dort vorbei zu schauen (was ich sicherlich zusätzlich 50-60 mal im Jahr mache). Zum anderen ist es dort immer anders. Das Licht, die Wolken, die Berge, der See, die Vegetation…einfach alles. Jetzt im Frühjahr sind z.B die Berge noch schneebedeckt, die Vegetation dagegen ist noch spärlich. Alles wirkt noch kalt (heute morgen waren es – 10 Grad)….der Winter ist noch nicht wirklich gewichen, der Frühling noch nicht wirklich angekommen. Ich mag diese Zeit sehr gerne…die Zeit des frühen Frühlings. Es ist noch nicht so warm, das Licht nicht verdorben durch dunstige Hitze. Wenn in drei bis vier Wochen das erste saftige grün auf den Bäumen zu sehen ist, ändert sich wieder alles. Ich werde auf jeden Fall wieder da sein.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im März 2020!

 

Serie Bild 15: Wetterwechsel!

Das Bild entstand gestern Abend im bayerischen Alpenvorland – dem schönsten Land der Welt, ach was des Universums!! Ich war gestern ganz begeistert von diesem Motiv, weil es so wunderbar den Wetterumschwung zeigt. Die dunklen Schneewolken hatten sich in den Süden, in die Alpen, zurückgezogen. Vom Norden her machte sich Hochdruckeinfluss breit. Die Berge zeigten sich tief verschneit, die Luft  war seit langen mal wieder total klar. Mir ist gestern mal wieder bewußt geworden, dass ich nirgendwo anders leben wollte, wie hier am Rande der Alpen. Es mag spektakulärere Landschaften auf der Welt geben (aber nur wenige!!)….aber an keinem Ort der Erde gibt es es halt so gute Brezn wie bei uns….und das ist das Entscheidende.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im März 2020!

Serie Bild 14: An der Eiskante!

Das Bild entstand im Juni 2010 irgendwo auf dem Packeis nahe Pond Inlet auf Baffin Island, Kanada. Zusammen mit meinen beiden Kollegen Florian Schulz und John E. Marriott verbrachte ich eine Woche an einem ganz besonderen Platz….an der Eiskante. Wenn im frühen Sommer (meist im Juni) die Temperaturen steigen, beginnt das Packeis zu schmelzen. Das Eis weicht so langsam dem offenen Wasser. Dort, wo das Eis auf bereits offenes Wasser stößt, liegt diese legendäre Eiskante…und genau dort, direkt an der Kante, schlugen wir unsere Zelte auf. Dieser spezielle Platz ist ein wahrer „Platz des Lebens“. Viele Tiere der Hocharktis sammeln sich dort im Frühsommer. Der Ice Floe Edge ist eine Art  „Fressoase“, ein „Restaurant“ in der Eiswüste. Wenn das Eis aufbricht und das intensive Sonnenlicht auf das Wasser trifft, kommt eine Fotosynthese zum laufen, die wiederrum viele Mikroorganismen in Gang setzt. Eine ganzer Nahrungskettenkreislauf wird angeworfen, der immer mehr Tiere an die Eiskante lockt.

Wir wollten dort in erster Linie Narwale fotografieren – die legendären Einhörner der Meere. Aus ihren Maul ragt ein bis zu 2 Meter langer Eckzahn des Oberkiefers. Unglaublich. Es sind sagenumwobene Tiere. Es war ein Lebenstraum von uns allen, einmal diese Tiere zu fotografieren. Erfahrene Inuit Guides brachten uns von Pond Inlet an die Eiskante. Hier schlugen wir unser Basislager auf. Dave Reid von Polar Sea Adventures leitete die ganze Unternehmung. Im Juni scheint die Sonne 24 Stunden vom Himmel (wenn das Wetter mal gut ist). Wir hatten also 24 Stunden Zeit, um an der Eiskante zu fotografieren. Und ich kann sagen, wir nutzten jedes Sekunde. Wir fotografierten Eiderenten, Dickschnalbellummen, Schneegänse, Ringelrobben und und und. An Schlaf war fast nicht zu denken. Irgendwann, mitten in der „Nacht“ kamen sie dann: Narwale. Ein ganzer Trupp näherte sich der Eiskante. Wir waren alle bereit, dann plötzlich Schüsse. Neben uns hatten Inuitjäger ihr Jagdcamp aufgebaut und auch diese Jungs nutzten jetzt ihr Chance. Pech für uns, denn die Narwale waren mit den ersten Schüssen sofort verschwunden. Inuit jagen schon immer Wale.  In der Regel „entnehmen“ sie nur so viele Tiere wie nötig, um das natürliche Gleingewicht nicht zu zerstören. In den letzten Jahren ist jedoch eine Diskussion darüber aufgekommen, ob die Inuit nicht doch zu viele Wale töten. Die Ureinwohner der Arktis nutzen bei der Jagd heute natürlich Schusswaffen, das erhöht den Jagderfog. Leider werden dadurch aber auch viele Tiere nur angeschossen, die dann schwer verletzt untergehen und „ungenutzt“ sterben. Ich finde es schwierig, sich hier auf irgendeine Seite zu schlagen. Ich glaube aber es ist problematisch, den Inuit die Jagd auf die Wale zu verbieten, den die Hauptursache für den Rückgang vieler arktischer Tierarten sind wir Menschen aus den Industrienationen. Unser Lebensstil führt zu den dramatischen Veränderungen in der Arktis unter dem viele Tieraten leiden….auch die Narwale.

Wir mussten damals zähneknirschend akzeptieren, dass wir nur Gäste in dieser weißen Wildnis waren. Also überlegten wir uns ein Alternativprogramm. Wir entschieden uns, mit den Schneemobilen auf Eisbärensuche zu gehen. Und so starteten wir jeden Abend los, raus auf`s Packeis…und suchten Eisbären. Es war gar nicht so einfach, in der weißen Eiswüste, weiße Bären zu finden. Eines Nachts aber klappte es. Unsere Guides sichteten einen großen Bären. Wir versteckten uns hinter ein paar großen Eisschollen und warteten. Der Bär kam immer näher. Er merkte relativ schnell, dass da irgendwas nicht stimmte. Etwa 50 Meter von uns entfernt stellte er sich plötzlich auf seine beiden Hinterbeine und checkte mit seinem wichtigsten Sinnesorgan, seiner feinen Nase, die Lage. Was für ein Anblick. Ein riesiger Bär, stehend, mitten in seinem fantastischen Lebensraum, dem Packeis. Ihr könnte euch vorstellen, wie die Kameras rauchten. Wahnsinn was für ein Erlebnis. Der Bär war nicht wirklich scheu. Er stapfte in etwas 20-30 Meter Entfernung an uns vorbei. Ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich an diese Minuten zurückdenke.

Nach einer Woche verließen wir die Eiskante, diesen magischen Ort mitten im Nirgendwo, wieder. Vor uns lag ein ganzer Tag Fahrt auf weichen, holprigen Packeis. Am Abend erreichten wir Pond Inlet, genoßen eine warme Dusche und freuten uns schon alle wieder…auf neue Abenteuer in der Arktis.

Das Leben ist schön!

Bleibt`s gsund!

Bernd Römmelt im März 2020!

Serie Bild 13: Geduld zahlt sich aus!

Das Bild entstand im September 2013 im Wrangell-St.-Elias-Nationalpark in Alaska. Der NP ist mit knapp 53.000 Quadratkilometern der größte Nationalpark der USA…und einer der wildesten. An den Rand des Parks führen lediglich zwei kleine Schotterpisten…und dann geht`s erst los. Viele der Berge sind weit über 4500 Meter hoch. Während in den Denali NP jedes Jahr ca. 600.000 Touristen strömen, sind es im Wrangell-St. Elias nur knapp 80.000. Der Park hat einfach keine touristische Infrastruktur…was gut ist….bleibt er dadurch wild und ungezähmt. Neun der sechzehn höchsten Berge der USA liegen in dieser Region. Ich besuchte den Park das erste Mal 1999. Damals fuhr ich bis nach McCarthy und unternahm von dort Tageswanderungen in die grandiose Bergwelt. Ich fühlte mich hier sofort wohl…alles war ruhiger und noch a bißerl wilder wie im berühmten Denali NP.

Im September 2013 verbrachte ich vier Wochen in Alaska. Ich fotografierte in der Brooks Range im hohen Norden und im Denali NP in Zentralalaska. Nach knapp 3 1/2 Wochen war ich fix und fertig. Alaska ist grandios und schön…aber auch extrem anstrengend. Das Wetter ist meist schwierig (um es mal gelinde auszudrücken) und viele tolle Locations sind nur zu Fuß zu erreichen…! Während der ersten 3 1/2 Woche hatte ich fast nur Regen, Nebel…es war saukalt…trotzdem habe ich natürlich Vollgas gegeben. Ich stand damals auch ein wenig unter Druck, da ich gerade an einem neuen Buch über Alaska für den Verlag National Geographic arbeitete…(und „denen“ will man natürlich ein paar gute Bilder liefern). Also…gegen Ende der Reise hatte ich noch 4 Tage Zeit. Denali und Brooks Range waren (trotz Nebel und Regen) ganz gut gelaufen und ich wollte unbedingt noch ein paar Tage ausspannen, einfach die Wildnis, die Natur Alaskas genießen. Ich entschied mich, dies im Wrangell-St.-Elias Nationalpark zu tun. Alle Wege in den Park führen über Glennallen, einem kleinen Ort im Zentralalaska. Von hier aus hat man, wenn das Wetter mitspielt, einen grandiosen Blick auf die Schnee- und Eisklötze des Wrangell-St.-Elias NP. Als ich in Glennallen ankam, war das Wetter fantastisch. Ich fuhr zu einem tollen Aussichtspunkt, den ich von früheren Reisen kannte. Als ich dort ankam….immer noch Prachtwetter…nur waren die großen Berge des Parks in Wolken gehüllt. Das passiert sehr oft, diese Berggiganten produzieren ihr eigenes Wetter. Ich begann zu warten und hoffte, die Wolken würden sich später auflösen. Es passierte nichts. Auch am Abend steckten alle Gipfel in einer dicken Wolkensuppe. Also entschied ich mich, auf den nächsten Morgen zu warten. Am nächsten Tag dasselbe Bild. Traumwetter nur eben im Wrangel-St.-Elias nicht. Ich beschloß, weiter zu warten, fotografierte über Stunden hinweg Pfeifhasen, kleine lustige Nager, die zu meinen absoluten Lieblingstieren Alaskas gehören. Dann kam der Abend. Immer noch Wolken. Plötzlich aber riss es für wenige Minuten auf und zumindest Teile der Giganten lugten für kurze Zeit aus der Wolkendecke (im Bild sieht man ganz rechts die Flanke des Berges)…und das im schönsten Licht. Ich weiß bis heute nicht, welcher Berg sich da kurz zeigte….wurscht….war trotzdem super. Ich machte sicherlich 200 Aufnahmen…immer dasselbe Motiv….wurscht….war trotzdem sauguat!

Die restlichen drei Tage verbrachte ich im Park…bin an fantastischen Gletschern entlang gewandert, habe an wilden Flüssen gedöst und die Natur Alaskas mit allen Sinnen genoßen. Heute würde ich meine gesamten Reisen genauso verbringen…langsam…ohne Hektik…viel mehr die Natur genießen…man wird älter und klüger hihi (okay klüger vielleicht nicht…aber älter…).

Das Leben ist schön!

Bleibt´s gsund!

Bernd Römmelt im März 2020!